die Larvenschnitzer Drucken


Solange es Menschen gibt, gibt es das Schminken, das Sich-Verstellen und das Bedürfnis, gelegentlich in eine andere Identität einzutauchen. Die Wiege der Menschheit ist Afrika und dort gehören Masken zu den Ritualobjekten. Zur Stärkung der Gemeinschaft wird dort getanzt, und zum Tanz gehört die Maske.



In unserer Gegend können wir die Larven und Masken in drei große Gruppen einteilen: in Heiligen- und Teufelsmasken, in soziale Masken und in individuelle Masken. Das Barocktheater benötigte drastische Masken, um die Gläubigen zu loben und vor allem die Sünder durch Angstmacherei zu bekehren. Hexen und Teufel gehören dazu. Zu den sozialen Masken darf man die Roller und Scheller und die Orgnungsmasken rechnen. Die larven der Originale verkörpern die persönlichen Eigenheiten. Die Larve ist wie ein zweites Gesicht, ein totes, in dem ein Lebender sich verstellt. Diese Zweideutigkeit reizt und fasziniert. Es besteht eine geheimnisvolle Spannung zwischen Maskierung und Entlarvung, zwischen Larventräger und Betrachter. Die Person trägt etwas Verborgenes, Ungelöstes vor sich her wie eine zweite erstarrte Haus.


Der Ursprung der Holzlarve in unseren Breiten ist wahrscheinlich beim mittelalterlichen Theater zu suchen. Vereinzelt dürften im neunzehnten Jahrhundert Larven aus Tarrenuz an Volkskundler abgegeben worden sein. Die Bauern haben sie veräußert, denn wenn ihre Funktion durch die Einstellung des Fasnachtsbrauches und das Tragen der Larve wegfiel, schien den Bauern der damaligen kargen Zeit selbst die schönste Larve nutzlos.


Erst die wiedererstandene rege Fasnachtstätigkeit beflügelte wieder die Phantasie der Schnitzer. Franz Neururer auf die Frage, wie er zum Schnitzen gekommen ist:

Für einen Schulkollegen sollte ich einen Barockrahmen anfertigen. Es ließ mir keine Ruhe. Zuerst musst du es probieren, bevor du sagst, du kannst es nicht, dachte ich. Mit viel Mühe und Fleiß ging ich die Sache an. Der Rahmen ist geglückt, ich hatte jetzt Schnitzmesser, und so schlitterte ich in die Schnitzerei hinein. Inzwischen habe ich etwa hundert Masken geschnitzt.

Ein weiterer Schnitzer, Reinhold Neururer aus Obtarrenz macht wunderbare Larven für die Originale und leitet seit Jahren Kurse für Larvenschnitzer im Rahmen der Volkshochschule in Imst. Unter anderen Teilnehmern aus dem Tiroler Oberland haben Georg Flür und Miguel Walch seine Kurse besucht. Derzeit soll es in Tarrenz schon über vierhundert Larven geben. Am Schnitzernachwuchs fehl es nicht. Miguel Walch begann mit eindrucksvollen Krampuslarven und gestaltet auch schon Fasnachtslarven.


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Miguel Walch

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 11. Februar 2013 um 17:51 Uhr
 

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